...und als sie einschlief, da träumte sie viele Dinge. Meer und Wind waren da, es war stachlig, kalt. Manchmal sehr warm, manchmal sehr verwirrend. Manchmal sah sie sich selbst, manchmal verlor sie sich aus den Augen. Und dann, eines Tages, öffnete sie eben jene wieder. Ach, guck. Existiert er noch, der Blug. Und ich, ich bin zurück. - Was ein Glück! Dezember 2012.. Das ging jetzt aber schnell..
Ich habe etwas verheimlicht. Über eine lange, lange Zeit hinweg. Nun ist die Zeit der Offenbarung gekommen, nun muss es endlich raus:
Ich bin jetzt Norddeutsche!
(Zu gehässigen Zeiten erzähle ich die Geschichte wie es dazu kam so: "Als mich niemand mehr zum Leben im Süden zwang, nahm ich mir eine Deutschlandkarte, suchte nach dem Ort, der am weitesten entfernt war, und zog dorthin!" Natürlich war es ganz anders...)
Nachdem nun das erste Umsiedelungschaos beseitigt ist, alle Kisten mit ungeliebtem Kram freundlich lächelnd bei Freunden und Verwandten eingelagert sind ("Ja, die hole ich ganz bestimmt bald ab, keine Angst"...), und die örtlichen Eis- und Kuchenverkäufer anfangen, mich wiederzuerkennen, freue ich mich, nach langer Zeit endlich wieder Aktivität in diesem Blog ankündigen zu können!
Dieser Tage sehe ich kaum etwas anderes als Ausstellungen. Kenne ich denn nur noch Künstler?!
Hier Ausschnitte aus dem letzten Arbeitszyklus der fabelhaften Johanna Seipelt, der ich bei ihrem nächsten Projekt als Lichttechnikerin & -designerin zur Seite stehen werde.
Those days I keep spending my time at exhibitions. Don't I know anyone but artists?! Here an excerpt from the last pictures of the fabulous Johanna Seipelt, whose next project I will accompany as a lighttechnician and -designer.
- Analog fotografieren (und selbst entwickeln) - Kanu fahren - Mai (Aurajoki) - mit einer Katze im Bett schlafen- Juni - einen Tag in der Hängematte verbringen - August - im Garten, in der Erde arbeiten - Juni - Tanzen gehen - im Meer schwimmen - ein Baumhaus bauen - Akkordeon spielen - Juni - Barfuß laufen - Mai Unruhe auf hohem Niveau. Abschiede verwirren mich nach wie vor. Das Wetter schreit nach Urlaub, nach Draußensein, nach Freiheit. Zuvor noch zwei Wochen Arbeit mit der fabelhaften Rene Baker. Sowie jede Menge Zukunftsplanung.
Stillsitzen. Unbewegt einen Punkt in der Ferne fixieren. Das geht doch ganz gut! Den Kopf langsam drehen. Die Welt zieht einen Schleier. Mir wird schwindlig. Weitere unschöne Begleiterscheinung: Es rutscht. Überall. Kein Halt an der Nase, kein Halt an den Ohren. Wer passt denn sowas an!? Stillsitzen. Unbewegt einen Punkt in der Nähe fixieren. Mir wird übel. Kopfschmerzen bekomme ich auch. Ab damit! Die Welt verschwimmt wieder zu fantastischen bunten Schleiern. Tag eins der zweiten - und hoffentlich letzten - Periode der Sichtverwirrung. An Tag drei wartet die Belohnung: Anpassung der fast nebenwirkungslosen Klarsicht. So die Hoffnung. Die Spannung steigt.
Nein, Hortense! Bleib brav hier. Jedes Leben hat seine Reihenfolge, auch deines! ERST Minervas Premiere, DANN deine. ERST packen, DANN umziehen. ERST in den Norden Deutschlands fahren, DANN zur Linnankatu fliegen. Wie willst du deine Premiere schon hinter dir haben, wenn du nicht geprobt hast? Wie willst du umziehen, wenn du nichtmal Umzugskartons hast, geschweige denn ein Umzugsfahrzeug? Auch wenn dir noch so sehr nach Bewegung im Leben ist, nach Ergebnissen und Abschlüssen: Zwischenschritte überspringen gilt nicht!
"Fahrradabteil" in die Bildersuche von Google eingeben. Und wissen, wo und wie ich Samstag den 19.07., Donnerstag den 24.07. und Samstag den 26.07. zwischen 7:00 und 22:00 Uhr zubrachte. Was bleibt noch zu sagen? "Fahrradfahrer für weniger Treppenstufen"? Grüße an alle Mitgeplagten, mit denen gemeinsam ich Fahrräder in Züge rein und aus Zügen raus schichtete und stapelte und schleppte und quetschte? Dank an die alte Dame, die mir am Hamburger Bahnhof den Vortritt am Fahrstuhl ließ? Gelangweilt habe ich mich immerhin nicht.
Einige Tage am Meer. Herausgefunden, dass mein Zelt sowohl Sturm als auch Hagel als auch Gewitter als auch Platzregen aushält. "Hinter dem Plan", mein Lieblingsstraßennamen in der grauen Stadt am Meer, weil er so sehr mit meinem Geisteszustand übereinstimmte.
Veränderungen. Dasselbe Haus 2007 und 2008. Traurig. Stundenlang am Meer sitzen. Die Luft. Das Rauschen. Lebensnotwendig, auch wenn das pathetisch klingt. "Reglos, die Augen starr auf die unermessliche Wasserfläche gerichtet. Unbegreiflich. Im Ernst. Ein Leben lang könnte man so stehenbleiben ohne das Geringste zu begreifen, und immer nur schauen. Wie verzaubert. Ohne einen Gedanken im Kopf, einen wirklichen Gedanken, nur Staunen. Verwunderung. Und es dauert Minuten, viele Minuten - eine Ewigkeit -, bis sie endlich, ohne die Augen vom Meer abzuwenden, sagt: "Aber irgendwo hört es doch auf?" (Alessandro Baricco - Oceano Mare)
Der Vorteil an einer Schauspielerliebsten ist grenzenloses Verständnis füreinander, wenn spätnachts noch Kostüme fertiggenäht oder bis zum nächsten Tag mehrere Seiten Text gelernt werden müssen. Auch, wenn die Probe aufgrund verschiedenster Komplikationen doppelt so lange dauert wie geplant und man sich nun doch nicht mehr sehen kann.
Der Nachteil an einer Schauspielerliebsten ist, das zwischen 9 und 24 Uhr garantiert mindestens eine von uns beruflich eingespannt ist.
Das Ergebnis? "Oh, nur mal kurz hinlegCHRRRR..." "Schön, dass du da bist. Ich bin leider ein bisschen müdCHRRRR..."
Ich, Hortense, und mein tapferes Streitross. Gülden schimmernd unterwegs bei Nacht, Nebel, Gewitter und tobendem Sturm. Vorbei an den Gefahren der modernen Automobilindustrie und deren Auswirkungen, dem Feuerseekreisel samt der Buslinie 43 trotzend, mit rasanter Schräglage an der Breuningerkurve entlangschrappend; über Berge, durch Täler, ... Und dann bin ich plötzlich gewachsen. Oder mein Stahlgefährte geschrumpft? Oder gar - durchGEBROCHEN?!! Von einer Sekunde auf die andere ist es vorbei. Nichts mehr so, wie es mal war. Ich, Hortense, zurück auf dem Boden der Tatsachen. Mein Streitross, nein, Drahtesel, vom Rost zerfressen. Langsam schiebe ich den Hügel hinauf. Hinter uns kein kitschiger Sonnenuntergang, der Hollywoodfilm ist vorbei. Unhappy End.
Und nun? Wenige Tage versuche ich es ohne Räder. Unausgeschlafen, verschnupft, verirrt, ständig zu spät. Meine derzeitige Rettung ist ein winziges Damenfahrrädchen, mit Blümchen geschmückt, ein dekoratives Körbchen im Gepäck. Nur immer die Füße hoch genug halten, damit ich nicht in Versuchung komme mitzulaufen. Zwei Gänge, die das Madamchen aber gerne selbst verwaltet. Rücktrittbremse als ständige interne Gefahrenquelle.
Ich vermisse mein altes großes stabiles windschnittiges Herrenrad.
Was ehemals bloße Vermutung war, wurde mir soeben zur Gewissheit: Sowohl das knallrote als auch das sonnengelbe (korrigiere: orange-gelbe) Laken färben ab. Glück, den rot-gelben Pyjama anstatt des blau-weißen mitgewaschen zu haben. Die schwarze Strumpfhose ist höchstens etwas zerfusselter als vorher, aber daran tragen die Laken keine Schuld. Die beige-grüne Leinenhose... Nennen wir den Farbton in Zukunft "hellbunt". Gibt dem Ganzen eine durchaus interessante neue Nuance. Allerdings dürfte sich die Wahl des dazu passenden Oberteils fortan geringfügig schwieriger gestalten. Insgesamt also Glück im Unglück.
Minerva dreht durch. Sie, die mir in vielen Ermahnungen beibrachte, Blumen nur des nachts zu stehlen, sie, die mich nach wie vor versucht zu überzeugen, dass nicht jeder Sperrmüll in meine Wohnung gehört, sie, sozusagen Vernunft und Gewissen zugleich, stiftete mich heute dazu an, mit ihr Müll klauen zu gehen. Natürlich kam ich mit! Abenteuer ziehen mich magisch an! Spannungsgeladenes Warten auf die Dunkelheit! Dann nichts wie los. Durch den Park, und zum nächsten Park, und einen Park weiter - endlich! - der Müllstapel. Sie erklärt, sie hätte die Säcke tagsüber nicht mitgenommen da sie erst noch aussortieren wolle. Tatsächlich überlegt sie einige Sekunden lang, ob sie den fünften Sack auch wirklich braucht ... ... ... selbstverständlich! Aufladen, schnell weg. Nicht, dass mich jemand mit dieser Irren sieht und den Zusammenhang erkennt!
Jetzt, nach bestandenem Abenteuer zufrieden vor dem Rechner sitzend, stelle ich mir vor, wie sie immernoch aufgeregt und glücklich durch ihre neuen Schätze wühlt. Komische Frau.
(Den nächsten Sperrmüll nehme ich mit, mag sie sagen, was sie will!)
Morgens Schnee, mittags schon strahlender Sonnenschein! Ein langer langer Spaziergang mit anschließendem Kuchengemetzel. Auslassen des Abendbrots (Grund: siehe Kuchengemetzel), Eierkochen, Eierverstecken, Eiersuchen, Eierfinden, und dann der Höhepunkt des Tages: Stundenlanges Eierbemalen! Ostern macht Spaß!
(Aber: Was hat Jesus eigentlich mit Eiern oder gar Hasen zu tun?)
Der Sommer bricht aus und ich topfe Blumen im großen Stil. Innerhalb kürzester Zeit (bedeutet: zwei Albert Wendt Hörspiele) meine gesamte Innengrünanlage der Erde beraubt und in neuen Boden gesetzt. In der Hoffnung, so doch noch Herrin über die Trauerfliegenplage zu werden. Zusätzlich weiterhin Gelbtafeln, und morgen wird ein Sandkasten überfallen, hoffend, dass eventuell doch wieder gelegte Eier sich in Sand nicht halten.
Der Sommer hüpft und ich staubsauge schwarze Erde von meinem weißen Teppich, und weil's so schön ist tausche ich mit "blanko rein - Pink Flower Duftedition" (Zitat Inhaltsstoffliste: "mit Farb-, Duft und Hilfsstoffen" - Hinterlassenschaft der vormals hier wohnenden Männer-WG.) Dreck auf dem Fenster gegen wunderschön glänzende Streifen ein.
Der Sommer tobt und ich sitze stundenlang am Rechner und baue eine Homepage. Auf dem Dach in der Sonne, immerhin. Auch wenn ich mir gehörig albern dabei vorkomme.
Der Sommer lacht und meine Kolleginnen und ich stehen berockt, behochhackt und maskiert im Schatten, vor uns ein radloser Kinderwagen, und versuchen ein spannendes Bewerbungsfoto für die kommende Straßentheatersaison hinzubekommen. "Schau mal Jakob, was die da im Kinderwagen haben!" - "Oooh, das sind gar keine Figuren, die sind ja echt!" ... Sogar Publikum haben wir.
Der Sommer weicht dem Abend und ich laufe gen Heimat. Seltsamstes Volk begegnet mir. Im Park erlebt man die Stuttgarter von ganz anderen Seiten als im Alltag. Amüsant. Im Innenhof bolzen die Jungs, der Vater spielt Kommentator. Im ersten Stock spielt der Regisseur Klavier. In meiner Wohnung saust der erste Abendwind durch die Fenster und ich schnuppere dem letzten Hauch Sommerluft hinterher.
Ein Tag, um sich durch und durch lebendig zu fühlen.
Seltsame Dinge geschehen in meinem Leben. Bürokratie. Zukunftsplanung. Zahlen. Alles möchte gut durchdacht und fristgerecht organisiert sein. Wie konnte mir, Miss "Ich steh mit beiden Beinen fest in den Wolken", dies bloß zustoßen!?